Schraffuren und Strukturen einfach erklärt

Nachdem wir uns nun mit unterschiedlichen Linienstärken vertraut gemacht haben, sehen wir uns in diesem Beitrag an, wie wir sie kombinieren können um Schattierungen, Strukturen und Effekte zu erzielen. Du wirst sehen, das ist kein Hexenwerk.

Egal ob du schon Erfahrungen mit dem Zeichnen hast, oder gerade einsteigst. Schraffuren helfen dir deiner Zeichnung Leben einzuhauchen und die ersten Schattierungen grob anzulegen. Du kannst sie sowohl in einer groben Skizze nutzen als auch als Stilmittel in einem größeren Bild. Und jetzt lass uns schauen, was du dazu brauchst.

Schraffiertes Bild Mit Hase und Schädel

Schraffieren geht immer!

Egal ob du gerade eine aufwendige Arbeit mit der Zeichenfeder anfertigst, oder nur eine schnelle Idee mit dem Kugelschreiber aufs Papier rotzt, eine Schraffur gibt deiner Zeichnung nicht nur direkt mehr Plastizität, sondern erlaubt es dir Lichtquellen zu bestimmen und unterschiedliche Spannungen zu kreieren.

Eine überzeugende Zeichnung besteht aus drei Dingen:

Grundform, Perspektive und Licht/Schatten (Schraffuren in unserem Fall)

Lies hier weiter, wenn du zunächst deine Linienführung verbessern willst.

Material zum Schraffieren

Arten der Schraffur

Grund Schraffuren

Parallelschraffur: Dies ist die einfachste von Allen; Du setzt einfach parallele Striche nebeneinander. Anfangs benötigst du vielleicht ein bisschen Übung die Abstände der Striche gleich weit auseinander zu setzen, aber ich kann dich beruhigen: Das hast du schneller raus, als du glaubst.

Kreuzschraffur: Wenn das gut klappt, leg doch noch eine Parallelschraffur entgegengesetzt oder diagonal über die andere. Tada, du hast eine Kreuzschraffur mit der du stärkere Schatten hervorheben kannst. Achte auch hier auf die Abstände um ein sauberes Raster zu erhalten.

Mehrfach: Treib es auf die Spitze und überlager das Raster noch mit Parallelschraffuren aus den anderen Richtungen.

Punkte: Eine richtige Schraffur ist das eigentlich nicht, aber ich will sie nicht unerwähnt lassen. Je mehr Punkte du nebeneinander setzt, desto dunkler wird deine Fläche.

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Deine Striche sind unregelmäßig, deine Hand verkrampft und zeichnet überhaupt überall wo du es nicht willst?
Schau mal hier in meine Übungen für mehr Feimotorik.

Apropos, Abstände. Da zeige ich dir am Besten auch sofort wie du mit deiner Schraffur variieren kannst.

Abstände und Strichstärken

Du kannst deine Schraffur sofort dunkler oder heller erscheinen lassen, indem du die Striche einfach näher aneinandersetzt, oder den Abstand vergrößerst.

Durch unterschiedliche Höhen kannst du sogar eine Schattierung „auslaufen“ lassen.
Wie du siehst, wird bei der Schraffur mit einem weichen Bleistift der Übergang und die Fläche sehr weich. Das kommt besonders gut in realistischen Porträts.

Eine Art der Schattierung/Schraffierung die nur Bleistift, Buntstift und Kreidearten und Kohle schaffen, ist das „Schummern“. Dabei hältst du dein „Zeichengerät“ flach und führst es in kreisförmigen Bewegungen über das Papier. Bei gleichbleibendem Druck erhältst du eine gleichmäßige Fläche.

Wenn du den Druck verstärkst, wird der Bereich dunkler.

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Alle Schattierungen kannst du auch mit dem Finger, oder einem Papierwischer verwischen. Ich mag das nicht ganz so gerne, oftmals wirkt das Bild anschließend fleckig oder metallisch. Ich versuche immer ein wenig Struktur zu erhalten. Da ich aber in mehreren Schichten arbeite, passiert das dann spätestens beim „Finish“.
Schraffuren Abstand und Strichstärke

Lichtquelle bestimmen

Lichtquellen bestimmen

Neben der Darstellung von verschiedenen Strukturen und Oberflächen stellen wir mit Schraffierungen vor allem auch Schattierungen dar. Hier zunächst der Grundsatz in Kurzform.

  1. Du benötigst eine Lichtquelle. Meine kommt hier von oben rechts.
  2. Der Schatten liegt auf der entgegengesetzten Seite, also unten links
  3. Die Lichtintensität nimmt auf ihrem Weg zur „dunklen Seite“ ab

Für die Formen in meinem Beispiel bedeutet das folgendes:

Quader: Die fordere Seite ist dem Licht komplett und relativ gleichmäßig zugewandt und bleibt daher hell. die Linke Fläche liegt im Schatten der nach hinten immer dunkler wird. Die Form wird durch eine senkrechte und waagerechte Schraffur unterstützt.

Kugel: Durch die Form „umschmeichelt“ der Lichtstrahl die Kugel und das Licht nimmt gleichmäßiger ab, da keine klare Kante im Weg ist. Meine Schraffur folgt hier der Form und unterstützt einen dreidimensionalen Effekt. In der unteren Kugel siehst du, wie das Ganze „geschummert“ mit Bleistift aussehen kann.

Beispiele

Darstellungen von Strukturen (plus Übung)

Ich bin stolz auf dich, du bist schon wirklich weit gekommen. Deshalb zeige ich dir jetzt noch ein paar andere Möglichkeiten um deine Skizzen interessanter zu machen. Denke hier ruhig um die Ecke. Überlege dir wie du dein Motiv soweit vereinfachen kannst, dass du die Essenz mit ein paar Strichen einfangen kannst.

Hierzu gebe ich dir direkt eine kleine Kreativitätsübung: Versuche so viele Anwendungsmöglichkeiten zu den jeweiligen Punkten zu finden wie möglich. Schaue erst im Anschluss auf meine Anregungen. Schreibe alles auf, so doof es auch klingen mag. Alles ist erlaubt.

Erzeugung verschiedener Struckturen

1) Viele kurze Striche erzeugen den Eindruck von kurzem Fell, Wiese, können aber auch für einen Bart eingesetzt werden.

2) Diese zuckenden und unruhigen Striche können z.B. für Bäume, Schafswolle oder krause Locken eingesetzt werden.

3) Längeres Gras, Wasser aus einem Sprenkler…

4)Geschwungene Linien. Haare, Blütenblätter, Ende einer Troddel

5) Holzmaserung: Eigentlich senkrechte Linie, bei Astlöchern macht diese dann einen Bogen um das Loch. So entsteht die typische Maserung. Anwendung auf Bäumen, Türen, Fußböden etc.

6) Ovale und Kreise, der Zwischenraum mit Parallelstchraffur überbrückt: Kieselsteine, Warzen auf einer Haut, Haut einer Kröte

7) Unregelmäßig unterbrochene Linien: Wasser aus einer Dusche, Regen

8) Eine Art Holzmaserung, hier von der Seite mit ausgeprägten Wölbungen nach außen. Wanderstock, Ast etc.

Die letzten Ideen zeigen einfach: Probier dich aus und lass den Stift einfach mal wild tanzen. Oder kombiniere geometrische Muster. Da gibt es keine Grenzen.

Schaust du nun auf die schnelle Skizze der „Schwarznasenschafe“, kannst du sehen, dass das Fell lediglich durch krause Linien angedeutet wurde. Der Effekt eines Feldes/einer Wiese im Hintergrund hebt sich von den Parallelstrukturen von den Bäumen ab.

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Die gleiche Struktur mit der ich diesem Baum die Blätter angedeutet habe, habe ich an anderer Stelle schon einmal für die Darstellung sehr krausem Haar (& oben bei den Schafen) genutzt. Experimentier einfach ein bisschen herum. Es wird dich überraschen, auf was für Ideen du auf einmal kommen kannst.

Fazit:

Ich hoffe dir hat der kleine Ausflug in die Welt der Schraffuren gefallen und du hast einiges mitgenommen. War der Artikel schlüssig für dich? Hast du Fragen oder Anregungen? Hinterlass mir gerne einen Kommentar, ich freu mich sehr!

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4 Kommentare zu „Schraffuren und Strukturen einfach erklärt“

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